Beim folgenden Text handelt es sich um einen leicht überarbeiteten Kommentar, den ich als Antwort auf einen Beitrag über Toleranz und Menschlichkeit geschrieben habe. In dem Beitrag wurde eine gewisse Fassungslosigkeit zum Ausdruck gebracht – die Unfähigkeit zu begreifen, warum sich die Menschen nicht einfach auf den Grundsatz „leben und leben lassen“ einigen können. Weil das ein Thema ist, das ich bislang nicht explizit behandelt habe, obwohl es geradezu essenziell ist, habe ich beschlossen, den Kommentar hier erneut zu veröffentlichen.
Falls euch der ausschlaggebende Beitrag interessiert, ist er hier zu finden. Und falls die Verfasserin des Beitrags mit der Verlinkung nicht einverstanden ist, kein Problem. Eine kurze Nachricht auf welchem Weg auch immer und ich nehme sie raus.
Wahrscheinlich ist es nicht zu begreifen, wenn man die Antwort auf die Fragen beim Individuum sucht.
Wir leben in einem System, das uns dauerhaft in Konkurrenz zueinander stellt. Man konkurriert um Wohnraum, um Arbeit und damit letztendlich um Lebensmittel und das reine Überleben. Das alles, während mehr als genug für alle da wäre.
Gleichzeitig gibt es einige Wenige, die davon profitieren. Manche im kleinen Rahmen, manche im unvorstellbar großen. Obwohl innerhalb eines Staates also gegensätzliche Interessen vorliegen (das Interesse des Arbeitgebers ist es, möglichst wenig Lohn für möglichst viel Arbeit zu zahlen, das Interesse des Arbeitnehmers, möglichst viel Lohn für möglichst wenig Arbeit zu erhalten), ist der Staat darauf angewiesen, dass ein gewisses Gefühl von Zusammengehörigkeit besteht. Sonst bricht das System zusammen. Hier kommen Dinge wie Ideologie, Kultur und Religion ins Spiel. Damit grenzen sich einzelne Menschengruppen von anderen ab.
Besonders in Krisenzeiten wird diese bereits bestehende Unterteilung in Gruppen genutzt, um vom wahren Ursprung der Probleme abzulenken. Das ist natürlich sehr vereinfacht. Diese Unterteilung hat durchaus noch andere Funktionen und außerdem wird der Vorgang durch weitere Faktoren beeinflusst. Aber nichtsdestoweniger erklärt es die momentane Omnipräsenz von Queerfeindlichkeit und Rassismus. Alles, was gegen die Sittlichkeit verstößt oder Ansprüche stellt, ohne dazuzugehören, ist eine Bedrohung und/oder Belastung für die Nation, mit der das Individuum verbandelt ist. Daher kommt das. Wenn es den Menschen inhärent wäre, würde die Ausprägung nicht derart schwanken.
Und da der Kapitalismus darauf angewiesen ist, diese eigentlich unwichtigen Unterschiede (Sexualität, Geschlecht, Ethnie etc.) als überaus wichtig zu stilisieren (da geht es unter anderem auch um Themen wie Lohndumping und unbezahlte Care-Arbeit), wird das in diesem System niemals enden. Erst recht nicht, wenn die Klimakrise in ihrer vollen Wucht einschlägt. Dann werden Knappheiten, Hungersnöte und Flüchtlingsströme aufkommen, die die Menschheitsgeschichte noch nicht gesehen hat.
Die Menschen sind nicht einfach so, wie sie sind. Es sind die materiellen Umstände, die sie machen. Und die kann man ergründen. Wem es also wirklich am Herzen liegt, dass dieser ganze Wahnsinn aufhört, der sollte zumindest in Betracht ziehen, sich mit den ökonomischen Begebenheiten und Mechanismen auseinanderzusetzen. Alles andere bleibt ein fassungsloses Stochern im Nebel.
Verzeih, dass ich mal wieder so ausschweifend geworden bin – und hab trotz allem eine schöne Woche!







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