Der Kapitalismus und ich, wir werden keine Freunde mehr. Aber ich habe gelernt, dass man die Dinge differenziert betrachten muss. Deshalb Ehre, wem Ehre gebührt: Es ist schon eine außerordentliche Leistung, sich Tag für Tag derart effektiv als natürliche Ordnung zu präsentieren.
Die damit einhergehenden Ammenmärchen können nicht wenige Bürger locker im Schlaf rezitieren. Entsprechend werden Alternativmodelle oft schon rein impulsiv abgelehnt – ganz egal, wie sehr der größte Teil der Menschen unter der Last des aktuellen Systems ächzt. Gleichzeitig werden dessen Auswirkungen gnadenlos unterschätzt.
Wir haben es hier nicht mit irgendeiner Wirtschaftsordnung zu tun, die nur den tangiert, der sich für Finanzen oder Politik interessiert. Im Gegenteil. Womöglich prägt nichts anderes auf dieser Welt jeden Aspekt menschlichen Lebens so maßgeblich wie der Kapitalismus. Der Kapitalismus bestimmt unser Menschenbild, jede zwischenmenschliche Interaktion, prägt unsere Beziehungen, durchzieht unsere Kunst, die Art wie wir denken und wie wir fühlen. Und wenn es so weitergeht, besiegelt der Kapitalismus unser Ende.
Großes Drama, ich weiß. Schwarzweißdenken. Da macht man es sich zu einfach. Dies, das. Alles nachvollziehbare Reaktionen. Das Gute ist, dass ich nicht hier bin, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Glücklicherweise ist das meiner Erfahrung nach aber auch gar nicht nötig. Wer anfängt, den Kapitalismus in seinem Kern zu verstehen, baut nicht selten ganz automatisch eine innere Ablehnung dagegen auf. Und wer darauf keine Lust hat, der lässt es eben sein.
Anstatt zu agitieren, möchte ich hier also Fragen stellen; ich möchte selbst versuchen, diverse Fragen zu beantworten, und den Vorgängen auf der Welt auf den Grund gehen. Okay, ein wenig Agitation wird vermutlich dabei sein. Aber im besten Fall möchte ich Denkanstöße statt kopierbarer Gedanken liefern. Und im Übrigen auch gern selbst den einen oder anderen Denkanstoß aus potenziell entstehenden Dialogen mitnehmen.
So weit zur groben Richtung. Mal sehen, wohin der Weg führt. Wichtig ist nur, dass er verfolgt wird. Denn ich würde behaupten, es geht hier um was.






