Freiheit ist etwas Wundervolles. Manch einer behauptet sogar, sie wäre das Einzige, was zählt. Nur logisch, dass man davon so viel wie möglich haben möchte. Was ist also besser als eine Freiheit? Eine zweite natürlich. So gesehen kann es kaum etwas Erstrebenswerteres geben als das Dasein als Lohnarbeiter – der ist nämlich doppelt frei.
Was ein „doppelt freier Lohnarbeiter“ sein soll? Schön, dass ihr fragt.
In der kapitalistischen Wirtschaftsordnung nimmt der Lohnarbeiter eine ganz besondere Position ein. Zum einen ist er, anders als der Sklave oder der Leibeigene, rechtlich frei, sich auszusuchen, für wen er arbeitet. Das klingt erst mal toll. Zum anderen aber ist er frei von Produktionsmitteln. Das heißt, dass er nicht über die Gerätschaften oder die Örtlichkeiten verfügt, die nötig wären, um selbst Waren zu produzieren. Dadurch ist er gezwungen, seine Arbeitskraft zu verkaufen.
Während er also entscheiden kann, für wen er arbeitet, wird ihm die Wahl, ob er überhaupt für jemanden arbeitet, keineswegs gelassen. Das mag zunächst halb so wild erscheinen. Allerdings ergibt sich daraus ein Machtungleichgewicht, das ein paar Unannehmlichkeiten nach sich zieht.
Beispielsweise gilt der Zwang, die Arbeitskraft zu verkaufen, nicht nur für den einen Lohnarbeiter, sondern für alle gleichermaßen. Das verschafft dem Arbeitgeber ein immenses Druckmittel. Denn sollte ein Arbeitnehmer etwa mit den Arbeitsbedingungen oder der Bezahlung unzufrieden sein, gibt es unzählige andere, die seine Stelle mit Handkuss nehmen würden. Erneut: Der Lohnarbeiter ist frei zu gehen und sich einen anderen Job zu suchen. Nur erwartet ihn dort dasselbe Machtverhältnis.
Darüber hinaus hat der Lohnarbeiter in aller Regel kaum bis gar kein Mitbestimmungsrecht, was den Kurs des Unternehmens betrifft. Dennoch ist er auf dessen Erfolg angewiesen, sonst droht er durch Maßnahmen wie Stellenabbau seine Lebensgrundlage zu verlieren. Wobei damit natürlich nicht gesagt werden soll, dass nicht auch ein erfolgreiches Unternehmen Stellen streichen kann. Modernisierung und Effizienzsteigerung gehören zum Alltag eines jeden erfolgreichen Unternehmers. Schließlich muss man mit der Zeit gehen – und so muss eben der eine oder andere Angestellte mit der Zeit gehen.
Alles in allem können wir festhalten, dass wir in einer wirklich seltsamen Welt leben. In einer Welt, in der noch nicht mal die doppelte Freiheit so etwas wie Unabhängigkeit garantiert. Vielleicht bräuchte es dafür eine dritte Freiheit. Doch die zu erlangen, dürfte nicht so einfach werden. Denn paradoxerweise ist es für den Lohnarbeiter in den meisten Fällen unmöglich, sich aus seiner doppelten Freiheit zu befreien. Zumindest dann, wenn er als Einzelkämpfer unterwegs ist.








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